Südlich von Untermaiselstein laufen aktuell Renaturierungsarbeiten im 5 Hektar großen Wasenmoos, welches bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bis auf den Süd-Westrand abgetorft und als Streuwiese genutzt wurde. Durch diese Nutzungsform wurde die Hydrologie des Moores massiv verändert, dafür sind artenreiche Pfeifengraswiesen entstanden, in denen dank der späten Mahd spätblühende Arten wie der Teufelsabbiss und der Schwalbenwurz-Enzian einen wertvollen Lebensraum gefunden haben. Auch zahlreiche gefährdete Arten wie das Sumpf-Herzblatt, Sumpf-Stendelwurz, Gefleckte Smaragdlibelle und sogar stark gefährdete Arten wie den Enzian-Ameisenbläuling beherbergt das Moor. Der Großteil der ehemaligen Streuwiesen ist aber verbracht.
Für den Torfabbau wurden einst Rechte an die Dorfgemeinschaft vergeben, so wurde die Allmendfläche in 17 Parzellen aufgeteilt. Die Nachfolger der Rechtler, die es einst abbauten, haben sich nun mit der Gemeinde, dem Forstamt, der Regierung von Schwaben und dem Landschaftspflegeverband zusammengeschlossen, um das Moor zu renaturieren. So ist auf Initiative von Gemeinderatmitglied Gerhard Honold und Revierförster Thomas Schneid ein Moorschutzprojekt über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie ins Leben gerufen worden, bei dem im noch lichteren westlichen Bereich auf 0,65 Hektar eine Streuwiese wiederhergestellt, der Moorwald aufgelichtet und die noch nicht verlandeten Grabenabschnitte angestaut werden. Für die Rodung der Streuwiese und die Moorwaldauflichtung ist in den vergangenen Wochen bereits ein umfangreicher Holzeinschlag erfolgt. Den Frost nutzend haben in geballter Kraft Bernhard Hage mit Rückepferd Luggi, Forstbetrieb Finsterer mit Spezialmaschinen und die Gebrüder Kolb auch aus schwer zugänglichem Moorgelände mit viel Geschick die erforderlichen Bäume geborgen. Es folgen noch Aufräumarbeiten, die Fräsung von Wurzelstöcken im Streuwiesenbereich sowie der Bau von ca. 50 Torfdämmen entlang der Gräben im Moorwald. Da die invasive Kanadische Goldrute bereits einen größeren Teil der Brachfläche überwuchert hat, wird zu deren Bekämpfung ein Teilbereich der Streuwiese früh im Sommer gemäht. Die restliche Mahd erfolgt im Herbst. Die Maßnahmen wirken dem weiteren Torfschwund im Wasenmoos entgegen und ermöglichen eine Regeneration des Moores und damit die Fixierung von Kohlendioxid. Neben dem Klimaschutz dient die Renaturierung auch dem Hochwasserschutz, der bei zunehmenden Starkregenereignissen in der Alpenrand-Staulage immer relevanter wird. Darüber hinaus werden wertvolle Moor-Lebensräume sowohl im Offenland als auch im Moorwald für bedrohte Arten optimiert und mit der Wiederherstellung von Streuwiesenbereichen auch ein kulturhistorisch wertvolles Element der traditionellen Allgäuer Kulturlandschaft erhalten. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Beteiligten, die das Projekt möglich machen! Aufgrund der inzwischen allgemein bekannten, angespannten bayerischen Haushaltslage und der damit verbundenen Fördermittelknappheit in der Landschaftspflege, die bereits letztes Jahr dazu geführt hat, dass einige unserer Projektkulissen gar nicht oder nur unzureichend gepflegt werden konnten, haben wir nach alternativen Fördermöglichkeiten Ausschau gehalten. Mit dem bayerischen EFRE-Programm (Europäische Fonds für regionale Entwicklung in Bayern) haben wir dabei eine ausgezeichnete Möglichkeit gefunden, um einige unserer besonders wertvollen Streuwiesen im Oberallgäu, in deren Wiederherstellung und Pflege in den letzten Jahren bereits viel Arbeitskraft und Geld geflossen sind, mit ausreichend Budget für eine naturschutzfachlich sinnvolle Pflege zu sichern.
Ziel des Projekts ist der Erhalt und die fachgerechte Pflege wertvoller Moore und Streuwiesen im Oberallgäu, die für den Biotopverbund und die Biodiversität von zentraler Bedeutung sind. Durch gezielte Maßnahmen werden wichtige Lebensräume gesichert, Schutzgebiete gestärkt und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten dauerhaft erhalten. Unser herzlicher Dank gilt dem Freistaat Bayern und der europäischen Union für die Co-Finanzierung, sowie der Regierung von Schwaben und dem zuständigen Ministerium für die gute und konstruktive Zusammenarbeit bei der Antragstellung.
Eine breite Allianz aus dem Oberallgäu befürchtet, dass die Gelder für VNP und LNPR künftig knapp werden könnten und haben sich deshalb mit einem Positionspapier an den Bayerischen Ministerpräsidenten gewandt.
Zu den Unterzeichnern gehören der Alpwirtschaftliche Verein im Oberallgäu e. V., der Bayerische Bauernverband – Kreisverband Oberallgäu, die Bayerischen Staatsforsten – Forstbetrieb Sonthofen, der Bund Naturschutz – Kreisgruppe Oberallgäu, der Landkreis Oberallgäu, der Naturpark Nagelfluhkette sowie wir, der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten e. V. Hintergrund ist die geplante Haushaltskürzung, die sowohl das Vertragsnaturschutzprogramm als auch die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie betreffen könnte. Eine Reduzierung der Fördermittel würde die erfolgreiche Naturschutzarbeit der vergangenen Jahre erheblich gefährden und beispielsweise auch den Fortbestand des Blauschillernden Feuerfalters. Ein breites Bündnis aus Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Naturschutz und Wissenschaft hat heute einen umfassenden "Call for action" an politische Entscheidungstragende auf EU-, Bundes- und Landesebene versandt. Darin fordern wir die grundlegende Verbesserungen der Rahmenbedingungen für wirksamen Insekten- und Biodiversitätsschutz auf Landschaftsebene (für weitere Infos oben klicken).
Am Notzenweiher traf sich die neue Bürgermeisterin von Betzigau, Frau Lässer-Dorn, mit Leonie Schaefer und Kathrin Schratt vom Landschaftspflegeverband, um sich vor Ort einen Eindruck von den laufenden Landschaftspflegemaßnahmen im Gemeindegebiet zu verschaffen.
Leonie Schaefer berichtete über die zahlreichen Erfolge der vergangenen zehn Jahre, in denen gemeinsam mit Landwirten wertvolle Flächen rund um den Weiher aufgewertet werden konnten. Im Fokus des Ortstermins standen die Maßnahmen am Ost- und Westufer, die sich derzeit noch in der Pflege befinden und für Arten, wie den Blauschillernden Feuerfalter mittels Pflegemahd aufgewertet werden. Besonders die Streuwiese am Ostufer, die seit 2020 in Pflege ist und sich prächtig entwickelt hat, zeigte die positiven Effekte der Landschaftspflege. Hier konnten verschiedene typische Streuwiesenarten wie Blutwurz und Teufelsabbiss bestaunt werden. Leider konnte die Fläche in diesem Jahr aufgrund begrenzter Fördermittel nicht gemäht werden. Es bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren wieder mehr Mittel zur Verfügung stehen, um auch diese wichtige Pflege fortzuführen. Frau Bürgermeisterin Lässer-Dorn zeigte sich begeistert und ist erfreut über die Schätze in Ihrem Gemeindegebiet. Auch dieses Jahr waren wir mit unserem Streuespiel und Infos zu artenreichem Grünland wieder auf dem Tag des offenen Naturparks am 04. Oktober vertreten. Zahlreiche Kinder durchwühlten begeistert die Streue auf der Suche nach dem Schwalbenwurzenzian, dem Teufelsabbiss, dem Enzian-Ameisenbläuling oder einem Landschaftspfleger mitsamt Motormäher.
Mitteleuropa streiften und – unterstützt durch natürliche Dynamiken wie z.B. Lawinen – ein strukturreiches Mosaik aus Wald und Offenflächen schafften. Später wurden diese Offenflächen dann vor allem durch den Menschen gefördert, indem er Großweidetiere durch domestizierte Weidetiere ersetzte, die Wiesen und Weiden offenhielten. Im gleichen Atemzug nahm auf den genutzten Flächen die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu, die offene Lebensräume besiedelten und bis heute auf eine Offenhaltung und Vernetzung ihrer Habitate angewiesen sind. Bis heute ist unser Landschaftsbild maßgeblich durch diese Prozesse geprägt und davon abhängig, dass z.B. Weideflächen durch angepasste Beweidung nicht zu sehr verbuschen, artenreiche Magerrasen einmal im Sommer oder Streuwiesen einmal im Herbst gemäht werden.
Wir, als Landschaftspflegeverband können bei der Wiederherstellung solch naturschutzfachlich bedeutender Lebensräume unterstützen, doch eine Langfristigkeit haben diese Maßnahmen nur, wenn sie Hand in Hand mit einer angepassten Beweidung/ langfristigen Bewirtschaftung gehen. Daher ein riesengroßer Dank an alle Landwirte und Älpler, die sich Tag für Tag mühsam dafür einsetzen, dass unsere Landschaft so vielfältig und artenreich bleibt, wie wir sie kennen und lieben… und der klare Aufruf, sie dabei zu unterstützen, dass sie diese, für uns alle bedeutende Arbeit weiterhin leisten können! |
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