Am Notzenweiher traf sich die neue Bürgermeisterin von Betzigau, Frau Lässer-Dorn, mit Leonie Schaefer und Kathrin Schratt vom Landschaftspflegeverband, um sich vor Ort einen Eindruck von den laufenden Landschaftspflegemaßnahmen im Gemeindegebiet zu verschaffen.
Leonie Schaefer berichtete über die zahlreichen Erfolge der vergangenen zehn Jahre, in denen gemeinsam mit Landwirten wertvolle Flächen rund um den Weiher aufgewertet werden konnten. Im Fokus des Ortstermins standen die Maßnahmen am Ost- und Westufer, die sich derzeit noch in der Pflege befinden und für Arten, wie den Blauschillernden Feuerfalter mittels Pflegemahd aufgewertet werden. Besonders die Streuwiese am Ostufer, die seit 2020 in Pflege ist und sich prächtig entwickelt hat, zeigte die positiven Effekte der Landschaftspflege. Hier konnten verschiedene typische Streuwiesenarten wie Blutwurz und Teufelsabbiss bestaunt werden. Leider konnte die Fläche in diesem Jahr aufgrund begrenzter Fördermittel nicht gemäht werden. Es bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren wieder mehr Mittel zur Verfügung stehen, um auch diese wichtige Pflege fortzuführen. Frau Bürgermeisterin Lässer-Dorn zeigte sich begeistert und ist erfreut über die Schätze in Ihrem Gemeindegebiet. Auch dieses Jahr waren wir mit unserem Streuespiel und Infos zu artenreichem Grünland wieder auf dem Tag des offenen Naturparks am 04. Oktober vertreten. Zahlreiche Kinder durchwühlten begeistert die Streue auf der Suche nach dem Schwalbenwurzenzian, dem Teufelsabbiss, dem Enzian-Ameisenbläuling oder einem Landschaftspfleger mitsamt Motormäher.
Mitteleuropa streiften und – unterstützt durch natürliche Dynamiken wie z.B. Lawinen – ein strukturreiches Mosaik aus Wald und Offenflächen schafften. Später wurden diese Offenflächen dann vor allem durch den Menschen gefördert, indem er Großweidetiere durch domestizierte Weidetiere ersetzte, die Wiesen und Weiden offenhielten. Im gleichen Atemzug nahm auf den genutzten Flächen die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu, die offene Lebensräume besiedelten und bis heute auf eine Offenhaltung und Vernetzung ihrer Habitate angewiesen sind. Bis heute ist unser Landschaftsbild maßgeblich durch diese Prozesse geprägt und davon abhängig, dass z.B. Weideflächen durch angepasste Beweidung nicht zu sehr verbuschen, artenreiche Magerrasen einmal im Sommer oder Streuwiesen einmal im Herbst gemäht werden.
Wir, als Landschaftspflegeverband können bei der Wiederherstellung solch naturschutzfachlich bedeutender Lebensräume unterstützen, doch eine Langfristigkeit haben diese Maßnahmen nur, wenn sie Hand in Hand mit einer angepassten Beweidung/ langfristigen Bewirtschaftung gehen. Daher ein riesengroßer Dank an alle Landwirte und Älpler, die sich Tag für Tag mühsam dafür einsetzen, dass unsere Landschaft so vielfältig und artenreich bleibt, wie wir sie kennen und lieben… und der klare Aufruf, sie dabei zu unterstützen, dass sie diese, für uns alle bedeutende Arbeit weiterhin leisten können!
Am vergangenen Samstag zeigte der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten e. V. (LPV) zusammen mit der Biodiversitätsberaterin des Landkreises, Birgit Marzinzig, rund 20 Interessierten drei besondere Lebensräume rund um das Imberger Horn, die allesamt nur durch die traditionelle landwirtschaftliche Nutzung entstanden sind: artenreiche Streuwiesen, magere Bergweiden und extensive (Berg-)Mähwiesen.
Nach der gemeinsamen Bergfahrt führte die Exkursion zunächst zur Südflanke des Imberger Horns. Angekommen auf den Weideflächen der Strausbergalpe, erläuterte Kathrin Schratt vom LPV, dass ohne das menschliche Schaffen keine Mutterkühe hier grasen könnten - die potentielle natürliche Vegetation wäre größtenteils Wald. In den letzten 5000 Jahren hat der Mensch zunehmend Wälder in Offenland umgewandelt. Im 19. Jahrhundert erreichte die landwirtschaftliche Nutzung ihre maximale Ausdehnung – das Allgäu zeigte damals einen deutlich offeneren Landschaftscharakter als heute. Die bis heute erhaltenen, traditionell, extensiv genutzten Wiesen und Weiden besitzen eine enorme Artenvielfalt, weshalb sich der Landschaftspflegeverband für ihren Erhalt bzw. Wiederherstellung einsetzt.
Seither führen die Buchenberger Landschaftspfleger auf knapp 1,5 ha regemäßig eine Mahd mit Motormähern oder Freischneidern durch. Ziel ist es, Problemarten wie die Kanadische Goldrute oder auch den Faulbaum zurückzudrängen und konkurrenzschwache Offenlandarten gezielt zu fördern. Dank der Renaturierung kann das Moor nun wieder seine natürlichen Funktionen erfüllen und dient als Kohlenstoffsenke in Zeiten des Klimawandels, dem Wasserrückhalt bei Starkniederschlagsereignissen und als Lebensraum für gefährdete Pflanzen wie dem Sonnentau. Kathrin Schratt vom LPV zeigte, was es alles im Moor zu entdecken gibt.
Ein herzliches Dankeschön an Kai Gropp von AllgäuTV für die Berichterstattung. Der Moorbeitrag ist ab Minute 5:45 im "Land und Leute" (07. Juli 2025) zu sehen: https://www.allgäu.tv/mediathek/video/land-und-leute-7-juli-2025/
Doch ohne Pflege verschwinden diese Arten: Schilf, Gehölze und Nährstoffüberschuss verdrängen die Spezialisten. Die Exkursion machte deutlich, wie viel Einsatz es braucht, damit diese Vielfalt erhalten bleibt – und wie wichtig dabei die Arbeit vieler engagierter Landwirte ist, wie auch Erich Krug vom Bayerischen Bauernverband betonte.
Den zugehörigen Zeitungsartikel finden Sie hier: "Ein Paradies auf Zeit?", mit freundlicher Genehmigung des Kreisboten, sowie "Mit dem Landschaftspflegeverband auf Spurensuche", mit freundlicher Genehmigung des Allgäuer Bauernblatt und "LPV-Exkursion zu artenreichen Streuwiesen", mit freundlicher Genehmigung des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts.
Zum gelungenen Abschluss wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit der Blume des Jahres 2025 -dem Sumpfblutauge- belohnt, welches als Botschafter für den Schutz von Moor-Ökosystemen steht.
Den zugehörigen Zeitungsartikel finden Sie hier: Ein Stück Natur kehrt zurück, mit freundlicher Genehmigung des Allgäuer Bauernblattes, sowie Wichtiger Beitrag zu Artenvielfalt und Klimaschutz, mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung und "Förderung auf der Kippe", mit freundlicher Genehmigung des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts. |
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